Céline oder CELINE?
Céline wurde 1945 in Paris von Céline Vipiana und ihrem Mann Richard Vipiana gegründet, ursprünglich als Geschäft für massgefertigte Kinderschuhe. Als Antwort auf den Erfolg wurde die Produktpalette mit der Zeit um Leder-Accessoires und zuletzt um Prêt-à-Porter erweitert. Vipiana nannte den Stil «Couture Sportswear», was den praktisch-eleganten Look treffend beschrieb.
Mit Michael Kors, der die Marke von 1997 bis 2004 leitete, erlebte Céline ein Hoch. Der Amerikaner brachte dem Haus einen Hauch Hollywood-Glamour. Seine Nachfolger hatten wenig Erfolg, und die Marke geriet etwas in Vergessenheit, bis Phoebe Philo die Position im Jahr 2008 antrat und als Erstes radikal alte Kollektionsbestände entfernen liess.
Céline unter Phoebe Philo
Als Phoebe Philo 2008 die kreative Leitung von Céline übernahm, prägte sie das Haus mit einem klaren Stil, der als minimalistisch, intellektuell und modern galt.
Ihre Designphilosophie war konsequent aus der Perspektive und für die Bedürfnisse von Frauen gedacht und nicht etwa für den männlichen Blick oder den Laufsteg.
Der Fokus lag auf Funktion, Komfort und Proportion. Ihre Entwürfe stehen auch heute noch für Stärke statt Dekoration und geniessen eine grosse Anhängerschaft. Sie werden heute unter dem Begriff "Old Céline" zusammengefasst und gelten als Collector's Pieces.
Keine auffälligen Logos, keine überflüssigen Details, was einen grossen Umbruch in der von Miniröcken und Logos geprägten Mode der 2010er Jahre bedeutete. Sie hat den Minimalismus nicht erfunden, aber liess das Bedürfnis nach "Weniger" neu aufleben.
Der Wechsel zu Hedi Slimane
2018 übernahm Hedi Slimane die kreative Leitung nach dem überraschenden Abgang von Philo
Für die Anhänger von Phoebe Philo war es ein Schlag ins Gesicht, als er quasi als erste Amtshandlung den Akzent im Logo strich und aus Céline offiziell CELINE machte.
Damit begann eine neue Ära für das Haus.
Sein Ansatz war direkter und kommerzieller. Logos, Hardware und verspielte Silhouetten sowie Referenzen auf die Popkultur wie Basecaps und Collegejacken dominierten den Runway.
Das Triomphe-Logo feierte sein Comeback. Das Motiv geht auf die Ketten rund um den Arc de Triomphe in Paris zurück und wurde erstmals 1972 von Vipiana verwendet.
Auch wenn Hedi Slimane das Designkonzept von Phoebe Philo mehr oder weniger über den Haufen geworfen hat, hielt auch er - vermutlich vom Mutterkonzern LVMH beauftragt, da sehr erfolgreich – an gewissen klassischen Entwürfen aus dem Taschenbereich fest, die unter Philo grosse Erfolge gefeiert hatten.
CÉLINE Classic Bag
Die Classic Bag entstand unter Phoebe Philo. Ihre Form ist minimalistisch, klar und geometrisch. Kein Schnörkel, nichts ist zu viel (auch nicht der Platz in der Tasche). Sie wurde in drei Grössen sowie in verschiedenen Ledern und Farben angeboten.
Der Clasp-Verschluss in Gold oder Silber und der Schulterriemen, auf zwei Längen verstellbar, machten sie zum Klassiker. Eine Ikone des Hauses war geboren, die bis heute als unvergessen gilt und diesen coolen IYKYK-Charme.
CELINE Triomphe Bag
Slimane übernahm das Design der Classic und veränderte es zunächst nur minimal, indem er das Logo auf dem Leder, das nur sichtbar ist, wenn die Tasche offen ist, anpasste.
Mit der Zeit entwickelte sich die Tasche aber auch in eine kommerziellere Richtung und damit mit klarer Slimane-Signatur: Der dezente Clasp-Verschluss wich dem glänzenden Triomphe-Logo, der Schulterriemen wurde beliebig verstellbar, damit er möglichst vielen passt.
Das Ergebnis ist zwar nach wie vor eine geometrische Crossbody-Bag, aber mit einem verspielten Twist, insgesamt etwas massentauglicher.